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Allgemeine Informationen
Geodätische Bezugssysteme werden durch Arbeiten im Raumbezugspunktfeld geschaffen. Dies erfolgt durch die Vermarkung von Festpunkten, deren Lage, Höhe und/oder Schwere auf der Erde bestimmt und die im amtlichen Nachweis registriert werden.
Der einheitliche Raumbezug des amtlichen Vermessungswesens in der Bundesrepublik Deutschland wird realisiert durch ein bundeseinheitliches, homogenes Festpunktfeld, das aus vier, z.T. unterschiedlichen Komponenten besteht.
- a) Geodätische Grundnetzpunkte im Bezugssystem ETRS89
- b) Referenzstationspunkte im Bezugssystem ETRS89
- c) Höhenfestpunkte 1. Ordnung im Bezugssystem DHHN92
- d) Schwerefestpunkte des Schweregrundnetzes und des Schwerenetzes 1.Ordnung im Bezugssystem DHSN96
Für die Geodätischen Grundnetzpunkte (GGP) sind folgende Spezifikationen festgelegt:
- Punktabstand bis 30 km
- 3D-Vermarkung
- mindestens 2 Punkt-Sicherung
- satellitengeodätisch hochgenau bestimmte ETRS89-Koordinaten
- Anschluss an das amtliche Höhenfestpunktfeld mittels Präzisionsnivellement im System DHHN92
- Periodische Überwachung
- Erhaltungsmaßnahmen und Ersatzpunktbestimmung bei Zerstörung
- Anschluss an das amtliche Schwerefestpunktfeld
Damit findet auf diesen GGP eine Verknüpfung von Lage, Höhe und Schwere statt.
Realisierung in NRW
Das Gesetz über die Landesvermessung und das Liegenschaftskataster (VermKatG NRW) vom 1. März 2005 legt in § 1 fest, dass das amtliche Vermessungswesen den einheitlichen geodätischen Raumbezug einrichtet.
Es erhebt hierzu Festpunktdaten und unterhält einen Positionierungsdienst. Der Gesetzgeber weist dem einheitlichen geodätischen Raumbezug hohe Bedeutung zu, denn er ist in Verbindung mit den Geobasisdaten als Grundlage für alle raum- und bodenbezogenen Informationssysteme, Planungen und Maßnahmen der Landesverwaltung und der Kommunen zu verwenden. Andere öffentliche und private Stellen sollen die Daten verwenden.
In Nordrhein-Westfalen besteht der Umfang der Geodätischen Grundnetzpunkte aus 122 Punkten des Nordrhein-Westfälischen Referenznetzes (NWREF 1993), 6 Punkten des ehemaligen TP-Netzes, 27 Referenzstationspunkten des Satellitenpositionierungsdienstes SAPOS® und 10 neuen Absolutgravimeterpunkten.
Vermarkungen im Raumbezugspunktfeld
In der klassischen 2D-Lagevermarkung wurden die Bodenfestpunkte durch eine unterirdische Platte mit einem daraufgestellten Pfeiler vermarkt. Wegen der früher vorherrschenden Meßmethode werden die Punkte als Trigonometrische Punkte (TP) bezeichnet. Da der Lagebezug mittlerweile größtenteils durch die SAPOS Referenzstationen bereitgestellt werden kann, werden in NRW die rund 100.000 TPs nicht weiter gepflegt und durch die genannten geodätischen Grundnetzpunkte ersetzt, die dauerhaft vermarkt sind (3D-Vermarkung).
Die Vermarkung der Höhenfestpunkte erfolgt fast ausschließlich durch Mauerbolzen, die z. B. in die Außenwände von Gebäuden eingelassen sind. Höhenfestpunkte werden wegen des bis heute vorherrschenden Vermessungsverfahrens Präzisionsnivellement als Nivellementpunkte (NivP) bezeichnet.
Schwerefestpunkte werden i.d.R. nicht separat vermarkt. Es werden vielmehr geeignete Festpunkte ausgewählt, für die mit Hilfe von Gravimetern die Schwerebeschleunigung mit höchster Genauigkeit bestimmt wird.
Verwendete Bezugssysteme
Im Zuge der Realisierung moderner, geodätischer Bezugssysteme werden für die Festpunkte auch hochgenaue dreidimensionale geozentrische Koordinaten (= Positionskoordinaten) erzeugt. Positions- und Lagekoordinaten sowie Höhen- und Schwerewerte müssen jeweils in einem einheitlichen geodätischen Bezugssystem realisiert sein. Die AdV hat deshalb die Verwendung der nachfolgend aufgeführten Raumbezugssysteme beschlossen:
- European Terrestrial Reference System 1989 (ETRS89)
- Deutsches Haupthöhennetz 1992 (DHHN92)
- Deutsches Hauptschwerenetz 1996 (DHSN96).
In NRW sind das ETRS89, DHHN92 und DHSN96 vollständig realisiert. Das ETRS89 ist in der Landesvermessung eingeführt und für das Liegenschaftskataster (ALKIS) im Aufbau begriffen. Für die meisten Vermessungspunkte liegen auch Koordinaten in älteren Systemen vor, wie z.B. dem Netz77, der Preußischen Landesaufnahme (PrLA) und weiteren Sondersystemen.
Letzte Änderung(en): 27.07.2011 09:43 Uhr | Erstellt am: 19.07.2009 14:19 Uhr
